Privatsphäre im Netz - eine Utopie?

Privatsphäre im Netz - eine Utopie?

Die erfolgreichsten Unternehmen dieses Globus kommen fast ausnahmslos aus der IT-Branche. Der IT-Riese Google hat zum Beispiel einen Markenwert von schwindelerregenden 315,5 Milliarden US-Dollar und ist somit das Unternehmen mit dem dritthöchsten Markenwert weltweit. Knapp dahinter liegt das soziale Netzwerk Facebook auf Rang sechs mit einem Markenwert von ca. 159 Milliarden US-Dollar. Doch wie gelang Google, Facebook und Co. dieser famose Aufstieg? 

Außergewöhnliche Geschäftsmodelle

Der Grund für diesen unglaublichen Erfolg liegt auf der Hand und ist doch nicht jedem bewusst. Dabei hat jeder, der auf Facebook und Instagram surft, oder etwas googelt einen Teil dazu beigetragen. Denn unsere persönlichen Daten machen sowohl Suchmaschinen als auch soziale Netzwerke zu profitablen Geschäftsmodellen. Facebook verkauft beispielsweise Werbeflächen an verschiedenste Unternehmen, die uns User erreichen wollen. Die Werbetreibenden definieren eine Zielgruppe und geben Präferenzen wie Beziehungsstatus, Arbeitgeber oder Freizeitbeschäftigung an. Facebook kann in weiterer Folge zielgruppenspezifische Werbung in den Feeds der relevanten Nutzer platzieren. Da verwundert es auch nicht, dass fast zwei Drittel der weltweiten Einnahmen aus Online-Werbung an Google und Facebook gehen.

Das Geschäftsmodell dieser IT-Unternehmen scheint auf den ersten Blick völlig harmlos. Manch einer wird argumentieren, dass es doch zu begrüßen sei, wenn man interessante, zielgerichtete Werbung zu sehen bekommt. Doch bei genauerer Analyse wird klar, dass es auch etliche negative Aspekte zu beachten gilt. 

Spannende Forschungsergebnisse

Forscher der University of Adelaide (Australien) und der University of Vermont (USA) behaupten, dass die Privatsphäre bei der Nutzung von sozialen Netzwerken massiv leidet. Sie haben herausgefunden, dass man seine Daten nicht einmal durch das Löschen seines Accounts schützen kann. Einem wissenschaftlichen Forschungsteam gelang es im Rahmen der Studie anhand von Posts von nicht einmal 15 Freunden ein detailliertes Bild eines Users zu zeichnen. Maschinelle Lernalgorithmen konnten zudem sensible Informationen wie die politische Einstellung mit 95-prozentiger Genauigkeit vorhersagen. Und das alles, obwohl die betroffene Person nicht einmal einen Account auf dieser Plattform hatte.

Analysiert man vorhandene Accounts, dann sind die Ergebnisse noch verblüffender. So gelang es amerikanischen Forschern anhand von 100 bis 150 Facebook-Likes eines Users, dessen grundlegende Charakterzüge besser zu analysieren als seine Familie und seine Freunde.Man kann als einfacher Nutzer nur erahnen, welche Massen an Informationen über jeden einzelnen von uns im World Wide Web und auf den Datenträgern von Google, Facebook und Co. existieren. Es ist zudem nicht abwegig, dass eine professionelle Analysesoftware mehr über jemanden herausfinden kann, als man über sich selbst weiß.

Nachhaltige Posts und Shares

Hält man sich all diese Fakten vor Augen, so ist es spätestens jetzt an der Zeit sein Verhalten in den sozialen Medien zu hinterfragen. Ist es wirklich notwendig alles was man macht oder tut auf den einschlägigen Plattformen zu posten? Muss man wirklich jedem seiner 2000 Facebook-Freunde mitteilen, dass man in einer Beziehung ist? Bringt es mir persönlich etwas, wenn ich die Fotos der letzten Party auf Instagram poste? Diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten. Man sollte allerdings nie vergessen, dass nichts was man postet oder liked verborgen bleibt. Und dass wir mit unseren persönlichen Daten Facebook, Google und Co zu dem gemacht haben, was sie heute sind.


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