Bringt "The Social Dilemma" die Dinge ins Rollen?

Bringt "The Social Dilemma" die Dinge ins Rollen?

Jeff Orlowski hat mit "The Social Dilemma" eine wirklich packende Dokumentation auf Netflix veröffentlicht, die in den letzten Monaten einen kleinen Hype erfahren hat. Der Film widmet sich der Verführungskraft sozialer Netzwerke und ihre manipulative Wirkung auf die Menschheit. Obwohl die Handlung an vielen Stellen in einen unreflektierten Alarmismus abdriftet und für eine Dokumentation eine schwache wissenschaftliche Grundlage hat, so ist die Grundaussage doch unglaublich wertvoll.

Wir sind wirklich froh, dass ein internationaler Film aus dem US-amerikanischen Raum dieses bedeutende Thema mit großer Strahlkraft beleuchtet und unserer Bewegung damit indirekt in die Hände spielt. Jede Erwähnung, jeder Artikel und jedes Video ist eine wertvolle Erinnerung daran, wie wichtig ein "bewusster" Nutzungsstil auf Online-Netwerken ist. Doch zurück zum Film: Lohnt sich das Anklicken?

Ohne Zweifel ist die Dokumentation "engaging" und macht es ihren Zuschauern schwierig, die Augen vor den Problemen zu verschließen. Das Dilemma mit den sozialen Medien, so heißt der Film in seiner deutschen Version, stellt soziale Medien und Internetplattformen als Nabelschnur unseres Soziallebens dar. Macht uns das ständige Liken, Scrollen und Starren mit der Zeit abhängig? Welche Rolle spielen die Medien bei der Spaltung von Gesellschaften, da Sie Extremismus und anonymen Anfeindungen eine Bühne bieten?

Eine wichtige Message, von Ex-Google-Mitarbeitern untermauert

"Ist das normal? Oder sind wir alle einer Art Fluch anheimgefallen?" Solche Aussagen kommen etwa von Ex-Google-Ingenieur Tristan Harris bereits in den ersten Minuten des Films. Wenn man sich in der Wiener U-Bahn umsieht fällt es schwer, seinen Aussagen zu widersprechen. Sollten 50 junge Entwickler und ihre Algorithmen vom Silicon Valley aus Entscheidungen treffen, die die Denkweise von Milliarden Nutzerinnen und Nutzer verändern könnten? Dürfen diese bestimmen, welche Werbung, welche politische Message auf meinem Screen aufpoppt, während ich im Bett liege? Internetkonzerne verkaufen im Grunde keine Produkte mehr, sondern sie machen mit unserer Aufmerksamkeit Geschäfte.

Wenn ein Produkt kostenlos ist, dann ist der Nutzer das Produkt.

Tja, wie wir wissen sind Daten das Öl des 21. Jahrhunderts. Und dennoch wollen wir auf keinen Fall in schnöden Internet-Kritizismus verfallen. Das wäre einfach nur kurzsichtig. Egal ob wir mit unseren Liebsten auch am anderen Ende der Welt in Kontakt bleiben können oder durch künstliche Intelligenz die Auswirkungen des Klimawandels besser abschätzen können: Man muss immer wieder betonen, dass digitale Technologien uns Unglaubliches ermöglichen. Am Ende des Tages zählt nur, dass die bewusste Nutzung sozialer Medien besser in den Köpfen der Menschheit verankert wird. Auf dem Weg dorthin ist "The Social Dilemma" auf jeden Fall einer der wichtigsten Filme des Jahres.

Mehr Informationen zur Doku:
Netflix


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