Partner-Story: Die Ambulanz für Lernstörungen von "pro mente"

Partner-Story: Die Ambulanz für Lernstörungen von "pro mente"

Wir möchten euch heute auf ein wirklich tolles Projekt aufmerksam machen. Pro Mente betreibt am Standort Salzburg seit ca. 5 Jahren im Rahmen der Kinderseelenhilfe eine Lernstörungsambulanz. Die Hauptzielgruppe sind Volksschulkinder, welche schulische Probleme haben und dem Unterricht nur schwer folgen können. Leider sind die Ursachen dafür vielfältig und im normalen Schulbetrieb oft nicht feststellbar. Die Lernstörungsambulanz ist eine unabhängige, an wissenschaftlichen Standards orientierte Anlaufstelle, die die Diagnostik von Lernstörungen und die Beratung für betroffene Kinder/Jugendliche und Eltern anbietet. Seit dem Jahr 2018 besteht auch das Angebot einer kostengünstigen Therapie für Kinder mit Lernstörung von einkommensschwachen Eltern, die sich eine kostenintensive Förderung bei privaten Lerntherapeut*innen nicht leisten können.

Keep smiling! Auch beim Lesen, Schreiben, Rechnen.

Hannah ist ein hübsches Mädchen mit großen braunen Augen und einem Pailetten- Wischleiberl mit lachendem Smiley darauf. Wischt man darüber erscheint der Schriftzug „Keep smiling“. Noch kann Hannah lächeln, trotz all der Schwierigkeiten, die ihr das Leben schon als Baby in den Weg gelegt hat und den riesigen Hindernissen, die sie gerade in der Schule überwinden muss. Als Hannah ein Jahr alt war, trennten sich ihre Eltern. Sie blieb zunächst bei der Mutter. Diese hatte aber selbst sehr große psychische Probleme und konnte sich nicht richtig um ihre beiden Töchter kümmern. Hannah und ihre ein Jahr ältere Schwester wurden vernachlässigt, körperlich und seelisch misshandelt, waren viel krank und mussten die ständig wechselnden Männerbekanntschaften der Mutter mitansehen.

Nach einem Jahr bekam endlich der Vater die Obsorge. Seitdem lebt er zusammen mit den beiden Töchtern in einer kleinen Zweizimmerwohnung. Hannah hatte schon als Kleinkind Probleme in der Sprachentwicklung, verschluckte Endungen, ließ Laute aus oder fügte welche ein. Sie wurde deswegen zunächst in die Vorschulklasse eingeschult. Bis zur 2. Klassenstufe kämpfte und mogelte sie sich durch. Ab der 2. Klasse wurden die Probleme aber massiv. Hannah hatte große Probleme, das Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zu erlernen. Die Lehrerin war sehr bemüht, betreute sie sehr engmaschig und auch in der Nachmittagsbetreuung übten die Lehrer zusätzlich mit ihr. Jetzt besucht Hannah die 3. Klasse Volksschule und kann immer noch nicht richtig Lesen, Rechtschreiben und Rechnen.

Beim Lesen benennt sie mehr oder weniger die einzelnen Buchstaben der Wörter, ein Zusammenlauten ist ihr kaum möglich. Schnell beginnt sie zu raten. Ein sinnentnehmendes Lesen ist so ausgeschlossen! Beim Rechtschreiben hat sie sehr große Probleme die richtigen Laute herauszuhören und dann in passende Buchstaben umzusetzen. Auch hier beginnt sie aus Überforderung schnell zu raten und schreibt einfach nur noch einen Buchstabensalat (stheln statt schnell, ELBL statt schwimmt, scha statt streiten...).

Beim Rechnen kann sie immer noch ausschließlich mit den Fingern die Ergebnisse nach oben oder unten abzählen. Rechnungen mit zweistelligen Zahlen kann sie nicht lösen.

Seit der 3. Klasse bemerkt die Klassenlehrerin, dass das sonst immer so fröhliche, brave, bemühte, fleißige Mädchen in der Schule immer weniger lacht. Die Schule stößt mit der Unterstützung an ihre Grenzen. Die anderen Kinder der Klasse lesen flüssig, schreiben Aufsätze, rechnen im Zahlenraum bis 1000, Hannah kann höchstens ganz kurze Wörter sehr mühsam lesen und schreiben und Aufgaben im Zahlenraum bis 20 nur mit den Fingern lösen.

Im Herbst 2018 schickt die Lehrerin Hannah zur Diagnostik an die Ambulanz für Lernstörungen. In einer ausführlichen Testung wird festgestellt, dass Hannah nicht lernbehindert ist, sondern eine kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten hat, das heißt, dass ihr das Erlernen des Lesens, Rechtschreibens und Rechnens sehr, sehr schwer fällt, obwohl sie ein durchschnittlich intelligentes Kind ist. Sie braucht dringend eine Lerntherapie, weil die umfassenden Hilfen in der Schule nicht ausreichen.

Der Vater arbeitet sehr viel und macht monatlich viele bezahlte Überstunden, um die Miete und die Lebenserhaltungskosten aufzubringen und sicherzustellen, dass am Ende des Monats vielleicht noch ein paar Euros übrig sind, um seinen Kindern eine kleine Freude extra zu ermöglichen. Eine Förderung bei einem Lerntherapeuten für Hannah mit Kosten von mindestens 200€ monatlich kann er sich nicht leisten.

Seit Ende 2018 kommt Hannah einmal die Woche zur Lerntherapie in die Ambulanz für Lernstörungen. Zudem wurde mit der Schule besprochen, dass Hannah in die 2. Klasse zurückgestuft wird, um auch in der Schule besser mitzukommen, wieder Erfolgserlebnisse zu haben und die Grundlagen noch einmal zu festigen. In der Lerntherapie wurden die Laute und Buchstaben noch einmal systematisch eingeführt und gefestigt. Hannah schreibt nun größtenteils lautgetreu und keinen Buchstabensalat mehr (siehe Abbildung 1) und sie kann kurze Texte erlesen und verstehen. In Mathe wurde der Zahlenraum bis 20 gefestigt und am mathematischen Verständnis gearbeitet.

Hannah kann wieder lächeln, ist sehr motiviert und kommt jedes Mal freudestrahlend in die Förderung. Zu ihrem Geburtstag hat sie sich vor allem Lernspiele gewünscht.

Mehr Information zur tollen Arbeit von Pro Mente und Möglichkeiten für eine Spende findest du hier:
https://www.promenteaustria.at/de/home/


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