Doom Scrolling - oder hast du das Ende im Blick?

Doom Scrolling - oder hast du das Ende im Blick?

Es ist keine Neuigkeit, dass stundenlanges Blättern in digitalen Medien zu mentalem Stress führen kann. Besonders in Zeiten von Corona und Social Distancing befindet sich das sogenannte "Doom Scrolling" auf einem besorgniserregenden Vormarsch. Erodiert unsere mentale Gesundheit?

Es ist kurz vor Mitternacht und das typische Muster zeigt sich. Um 1:30 Uhr ist es dasselbe. Daumen runter, Daumen hoch. Twitter, Instagram oder Facebook. Seit die Covid-19-Pandemie Anfang des Jahres sehr viele Menschen in ihren Häusern eingeschlossen hat, hat sich das Abendritual noch stärker gefestigt: Durch endloses Scrollen durch soziale Medien begeben sich die Menschen auf eine Suche nach Klarheit. 

In diesem Zusammenhang haben englische Wörterbücher eine neue Vokabel aufgenommen: Wenn Menschen sich stundenlang mit Schreckensmeldungen aus dem Netz beschäftigen, so spricht man vom Doom oder auch Infinite Scrolling. Besonders in Zeiten von Covid dominieren Infektionszahlen, wirtschaftliche Probleme oder Videos von Polizeibrutalität die Newsfeeds - und die menschliche Sensationslust tut ihr Übriges.

Aber nicht nur die Medien sind schuld am Untergang und an der Schwermut. Unlängst bestätigten Harvard-Forscher eine sehr naheliegende Vermutung: Wir als Menschen haben eine natürliche Neigung, negativen Nachrichten mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zusammen mit den Algorithmen der sozialen Medien macht dies das Untergangsszenario - und seine Auswirkungen - nahezu unvermeidlich. Seit den 1970er Jahren kennen wir das mean world syndrome - den Glauben, dass die Welt ein gefährlicherer Ort zum Leben ist, als sie tatsächlich ist. 

Versteckte Kollateralschäden

Seit Jahren wird der Nettonutzen von Plattformen wie Twitter und Facebook in Frage gestellt. Obwohl soziale Medien Menschen rund um den Globus verbinden, können sie offensichtlich auch zu Ängsten und Depressionen führen. Es ist eine Tatsache, dass Millionen Menschen momentan im Home-Office arbeiten, unter Quarantäne stehen und generell weniger Sozialkontakte haben - und genau diese Tatsache führt in Verbindung mit der ständigen Reizüberflutung durch digitale Kanäle zu einer Häufung von Burnouts, Depressionen und Unwohlsein.

Es reicht nicht, täglich die Corona-Fälle zu zählen und auf Grippekranke zu schauen. Die Einschränkungen der aktuellen Krise schlagen weit größere Wellen: Eine Mitte 2020 durchgeführte Studie des Gallup-Institutes in Zusammenarbeit mit der Sigmund-Freud-Universität lässt auf dramatisch ansteigende Fallzahlen von psychischen Erkrankungen in der Bevölkerung schließen. In einer repräsentativen Befragung gaben ein Fünftel der TeilnehmerInnen an, durch die Krise psychisch deutlich belastet zu sein. 27 % dieser Gruppe berichteten sogar von generalisierter Ängstlichkeit - ein Vorbote einer Angststörung. (Quelle)

"Whoever controls the media controls the mind"

Deshalb folgt nun ein Ratschlag, den wir nicht nur euch, sondern auch uns selbst geben: Inmitten all der Entbehrung, der Isolation und der Zerstörung der letzten sechs Monate lohnt es sich nicht, die Belastung mit zwei Stunden übermäßigem Scrollen täglich noch zu erhöhen. Sport, Lesen, Weiterbilden, eigene Projekte angehen. Unabhängig davon, ob man gerade alleine oder in Gesellschaft ist, gibt es viele tolle Aktivitäten, die uns sicherlich einen größeren Mehrwert bieten. Viel Spaß - gemeinsam halten wir die Ohren steif!


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