Influencer - mehr Schein als Sein?

Influencer - mehr Schein als Sein?

Im Grunde genommen weiß es jeder, der sich so manchen Influencer auf Instagram, YouTube und Co. einmal genauer angesehen hat. Der „Lifestyle“, den manche Blogger präsentieren, hat mit der Realität oft nur wenig zu tun. Auch wenn das sicher nicht auf alle Influencer zutrifft, so handelt die Mehrheit dieser Menschen nicht aus intrinsischer Motivation. Naheliegend ist vielmehr, dass extrinsische Anreize dazu führen sich selbst auf verschiedensten Plattformen im besten Licht darzustellen. Doch was zeichnet einen/eine Influencer/in eigentlich aus?

Beeinflussung durch Meinungsführer

Ein Influencer (engl. to influence = beeinflussen, einwirken) ist eine Person, die durch ihre hohe Präsenz in sozialen Medien ein exzellentes Image genießt. Kennzeichnend ist außerdem die hohe Anzahl an Followern und die daraus resultierende Reichweite. Das macht Influencer in weiterer Folge zu Meinungsführern. Solche Meinungsführer sind für Unternehmen von großem Interesse. Denn durch die starke Vernetzung dieser „opinion leader“ eignen sie sich optimal für Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen vermarkten wollen oder schlichtweg eine Steigerung ihres Bekanntheitsgrades forcieren.

Boomender Wirtschaftszweig

Das realisierten in den vergangenen fünf Jahren auch immer mehr Unternehmen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ein profitabler und sich immer weiter professionalisierender Wirtschaftszweig. Hier geht es schon lange nicht mehr um das Präsentieren eines bestimmten Lifestyles, sondern vor allem um eins: Geld. Und zwar sehr viel davon. Schon 2016 gaben Unternehmen sage und schreibe 1,7 Milliarden Dollar für das Influencer-Marketing aus. Das erscheint im Vergleich zu den 4,6 Milliarden Dollar, die 2018 investiert wurden, schon fast wieder wenig. 2019 wird gar mit Ausgaben in der Höhe von 6,5 Milliarden Dollar gerechnet. Tendenz weiterhin stark steigend. Zum Vergleich: Der amerikanische Staat gab 2018 rund 5,6 Milliarden Dollar für den Umweltschutz aus. Diese Zahlen verdeutlichen, wie lukrativ das Geschäft der Influencer in nur kürzester Zeit geworden ist.

6 Milliarden Dollar

investieren Unternehmen jährlich in das Influencer-Marketing.

5,6 Milliarden Dollar

gaben die USA im Jahr 2018 für den Umweltschutz aus.

Die 6,5 Milliarden Dollar, die Unternehmen auf der einen Seite ausgeben, kommen auf der anderen Seite bei den Influencern und deren Agenturen wieder an. Nun wäre es eine Utopie zu denken, die Bloggerinnen und Blogger dieser Welt zeigen sich so, wie Sie wirklich sind, sprechen über Themen, die sie wirklich interessieren und teilen Beiträge, die ihnen wirklich gefallen. Vielmehr sind Sie Werbeträger verschiedenster Unternehmer, die penibel darauf achten, was sie zu welchem Zeitpunkt veröffentlichen. Das scheint auch angemessen, wenn man bedenkt, dass ein Mikro-Influencer (User mit unter 5.000 Followern) pro Post 1.000 bis 2.000 Dollar verdient.* Beginnt man in Österreich eine Lehre als Bankkauffrau oder Bankkaufmann, kann man hingegen mit einem Einstiegsgehalt von nicht einmal 1.000 Euro pro Monat rechnen.

Profitmaximierung statt sinnvollem Content

Dieser Vergleich zeigt, in welchen Sphären sich Influencer bewegen und wie rentabel es ist, diesen „Beruf“ auszuüben. Als Influencer braucht man keinen Ausbildung und keine besonderen Fähigkeiten. Es reicht, wenn man gut aussieht und weiß, wie man sich in Szene setzt. Wenn man darüber hinaus eine große „Fanbase“ aufbaut und mit den richtigen Firmen kooperiert, kann man sich schnell eine goldene Nase verdienen. Dass das realen Leben dieser Personen hinter der Fassade oft ganz anders aussieht wird jeder, der sich schon einmal mit Influencern auf Instagram, YouTube und Co. auseinandergesetzt hat, spätestens jetzt wissen.

*Die Zahlen variieren hier je nach Quelle. Grund für die unklare Datenlage ist, dass nur die wenigsten Influencer ihre Einkünfte offenlegen und ein großes Geheimnis daraus machen.

Quellen:

https://unternehmer.de/lexikon/online-marketing-lexikon/influencer 

Influencer Marketing Hub (2019): Influencer Marketing Benchmark Report; S. 4

Environmental Protection Agency (2017):  EPA Budget in Brief; S. 1

Influencer Marketing Hub (2018): Influencer Fraud – The Influencer Marketing Manager´s Playbook; S.3

https://www.absolventa.de/jobs/channel/bankwesen/thema/gehalt 


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